in einem früheren Leben, also vor geschätzt 15 Jahren, hab ich mal Porzellanpuppen gemacht. (Hab bei den Fotos noch eine Rechnung der Zubehörteile gefunden: es war 2002). Früheres Leben deshalb, weil ich mir zu der Zeit sicher nicht vorstellen konnte, jemals dem Patchworkvirus zu verfallen.
Und nachdem ich jetzt beim Puppenquilt SAL mit diesen kleinen Zwergen konfrontiert war, hab ich mich wieder an das selbst gewerkelte Pärchen erinnert. Ihr Dasein fristen die beiden nämlich seit längerer Zeit oben im Speicher. Sträflich vernachlässigt, aber gut abgedeckt. Wie das halt so ist, man kann ja nicht ständig alles um sich haben was man jemals gemacht hat. Meistens ist ja der Entstehungsprozess das Wichtigste.
Jedenfalls freuen sie sich sicher, wenn sie mal wieder unter uns sein dürfen und sogar "eine Bühne bekommen".
Zunächst hat man ja die Porzellanrohteile, also Kopf mit Schulterplatte, Arme und Beine. Die Rohteile könnte man auch selbst gießen, aber das ging mir dann doch zu weit.
Jedenfalls werden die Teile mit Wasser und Schwamm etwas "angeweicht" damit man z. B. Finger, Nagelbett, Zehen, Gesichtszüge, Ohren, Lippen, Zähne etc. individuell herausarbeiten kann. Immer schön mit vorsichtigem Griff ohne zu viel Druck, denn solange das Porzellan nicht gebrannt ist, ist es extrem bruchempfindlich (später natürlich auch, aber dann werkelt man ja nicht daran rum). Wenn man Glück hat ist die Arbeit in so einem Bruchfall noch nicht so weit fortgeschritten, denn es beginnt alles wieder von vorn (geschweige denn, dass z. B. so ein Kopf ganz schön teuer ist). Hat man Pech ist z. B. grad nur ein linker Arm in der richtigen Größe vorrätig, wenn der rechte bricht!
Die Haut wird grundiert/getönt, Rouge aufgetragen, mit allerfeinsten Pinseln die Augenbrauen Fingergelenkfältchen, Schatten da, wo sie hingehören, aufgezeichnet. Nach dem Brennen werden die Augen eingefügt, Wimpern geklebt. Der Körper wird genäht, mit Körperdraht verstärkt und mit Füllwatte o. ä. gestopft, Arme, Beine und Kopf daran befestigt. Und zwar so, dass sie auch beweglich sind. Den Kopf können die beiden ebenfalls drehen - natürlich nicht selbst!
Dann (Echthaar-)Perücke drauf, Haare ggf. schneiden, schön frisieren. Und schließlich kommt nur noch die selbstgenähte, -gestrickte Kleidung. Natürlich gibt es auch eine Riesenauswahl an Schuhen und sonstigen Accessoires. Die Auswahl ist enorm.
Zuerst hab ich dem Mädchen gewidmet, dann hab ich mich augenblicklich in den Jungen verliebt. Die schelmischen Gesichtszüge haben mich sofort vereinnahmt.
Ist das nicht ein schönes Pärchen?
noch zwei Fotos von dem "drunter"
Bei uns in Bayern würde man sagen: fesch san's, die zwoa!
Es war eine schöne Arbeit, alles in allem aber auch ein teures Vergnügen.
So mit zeitlichem Abstand betrachtet, erinnere ich mich immer noch sehr gern an den kreativen Teil der Arbeit.
Übrigens durften die beiden durchaus auch "bespielt", also auch aus- und angezogen werden; ich bin da nicht so empfindlich.
Vielleicht lass ich sie mal wieder eine zeitlang bei uns wohnen.
Ich danke euch für euer Interesse und wünsch euch eine schöne Zeit
bis zum nächsten Mal
eure eSTe